Wie sich die Altenpflege zukunftssicher gestalten lässt: das Projekt „So weit wie möglich zu Hause“
17. September 2026 |
Geschrieben von: Sabien van Neerven

Mit einer großen Gruppe von Menschen, die nun gleichzeitig älter werden, wächst auch die Gruppe älterer Menschen, die Rehabilitationspflege benötigen. Zusammen mit dem bereits bekannten Personalmangel und einer Pflegekapazität, die nicht mitwächst, steht die Altenpflege in den kommenden Jahren vor einer großen Herausforderung. Es wird daher häufig gesagt: „Die Altenpflege muss anders und zukunftsfähig gestaltet werden." Das ist leichter gesagt als getan, die große Frage bleibt jedoch: Wie?

Older people walking outside

Es erfordert neue Arbeitsweisen. Das bedeutet nicht weniger Pflege, sondern klüger organisierte Pflege. Wir haben bereits früher darüber geschrieben, dass Technologie helfen kann, die Pflege effizienter zu gestalten, sofern die neue Technologie natürlich gut implementiert ist. Der Einsatz von Technologie ist eine Strategie; ebenso wird untersucht, wie die Altenpflege insgesamt anders organisiert werden kann. Ein gutes Beispiel dafür ist das Projekt „Thuis als het kan" („Zuhause, wenn es geht") (UNO Amsterdam | Thuis als het kan).

Projekt „Thuis als het kan"

Das Projekt „Thuis als het kan" hat zum Ziel, die geriatrische Rehabilitation neu zu gestalten, als Antwort auf die Frage: „Wie erhalten wir eine gute Altenpflege aufrecht, während die Nachfrage wächst und die Kapazität nicht mitwächst?" Die geriatrische Rehabilitation konzentriert sich vor allem auf die Genesung gebrechlicher älterer Menschen nach einer Operation, einem Unfall oder einer Krankheit. Ziel dieser Form der Genesung ist es, das selbstständige Funktionieren wiederherzustellen und die Rückkehr in die eigene Wohnumgebung zu unterstützen. Eines der Konzepte in die Niederlande, das dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die ambulante geriatrische Rehabilitation: Ein Teil des Rehabilitationsverlaufs, der normalerweise in einer Pflegeeinrichtung stattfindet, verlagert sich in die Wohnumgebung des Patienten.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Bei der ambulanten Rehabilitation verbleibt eine Person kürzer in einer Rehabilitationseinrichtung. Sobald es möglich ist, setzt der Patient die Rehabilitation zu Hause fort, begleitet zum Beispiel von einem Physiotherapeuten oder einem anderen Behandlungsteam. Gegebenenfalls geschieht dies unter Einsatz digitaler Mittel, wie Videotelefonie und unterstützender Apps (Oostrik Arch Gerontol Geriatr. 2025).

Der Ersatz eines Teils der klinischen Rehabilitation durch ambulante Rehabilitation entspricht den Prinzipien der „passenden Versorgung" (Auf Niederländisch: “passende zorg”). Passende Versorgung ist laut dem niederländischen Zorginstituut eine zielgerichtete, menschenzentrierte und bezahlbare Versorgung, die nachweislich wirkt und gemeinsam mit dem Patienten festgelegt wird. Sie ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Zukunftsfähigkeit des niederländischen Gesundheitswesens. Es wird erwartet, dass durch die teilweise Verlagerung der Rehabilitation zum Patienten nach Hause der klinische Durchlauf beschleunigt wird. Das bedeutet, dass Rehabilitanden kürzer in der Pflegeeinrichtung verbleiben, wodurch mit derselben Anzahl an Betten mehr Menschen behandelt werden können. Die ambulante Rehabilitation passt zudem zum Konzept der „positiven Gesundheit", bei dem der Fokus auf Menschenwürde, dem Erhalt von Selbstständigkeit und der Betrachtung dessen liegt, was jemand noch kann.

Patienten selbst erleben die ambulante Rehabilitation häufig als angenehm und weniger belastend: Menschen genesen doch am liebsten in ihrer eigenen vertrauten Umgebung, und die häusliche Rehabilitation erspart die Fahrt zur Rehabilitationsklinik oder ins Krankenhaus. Zudem kann der Physiotherapeut in der eigenen Umgebung des Patienten gezielter arbeiten, indem in Situationen geübt wird, die speziell auf die häusliche Situation des Patienten zugeschnitten sind. Darüber hinaus entlastet dies die Versorgung in Rehabilitationszentren. Es geht also nicht um weniger Rehabilitationspflege, sondern um eine andere Verteilung: eine kürzere klinische Phase, gefolgt von einem gut begleiteten Verlauf zu Hause.

„Thuis als het kan" ist Teil des öffentlich geförderten Programms „Beter Thuis" („Besser zu Hause") von ZonMw und wird unter anderem gemeinsam mit der Universität Maastricht / AWO-L, dem Leiden Universitair Medisch Centrum / UNC-ZH und dem Amsterdam Universitair Medisch Centrum / UNO Amsterdam durchgeführt. Beteiligt sind Acht Pflegeeinrichtungen aus verschiedenen Regionen der Niederlande, darunter Pieter van Foreest in Delft (ZonMw | Thuis als het kan). Bike Labyrinth arbeitet für Forschungszwecke mit Pieter van Foreest zusammen.

Die Forschung

Das Forschungsprojekt „Thuis als het Kan" wurde von September 2023 bis einschließlich Januar 2026 durchgeführt. In diesem Projekt wurde von drei Universitäten und acht Pflegeorganisationen in den gesamten Niederlanden gemeinsam eine Arbeitsweise entwickelt und erprobt. In dieser Studie wurde untersucht, wie ein Teil der klinischen Altenrehabilitation durch Rehabilitation in der Nähe des eigenen Zuhauses oder direkt beim Patienten zu Hause (ambulante Rehabilitation) ersetzt werden kann.

Der ambulante Rehabilitationsverlauf folgt im Wesentlichen fünf Grundprinzipien:

  1. Ein kurzer Aufenthalt in der Rehabilitationseinrichtung, gefolgt von Pflege zu Hause.
  2. Bereits seit der Krankenhausaufnahme wird an Zielen gearbeitet, die die Genesung fördern und sich am Alltag des Patienten orientieren.
  3. Gegebenenfalls der Einsatz unterstützender Technologien, zum Beispiel Videotelefonie mit dem Behandlungsteam, der Einsatz von Rehabilitations-Apps und Bewegungsmonitoring.
  4. Besonderes Augenmerk auf die Selbstständigkeit des Patienten.
  5. Enge Abstimmung zwischen Patient, Familie und Pflegekräften.

    Die Studie bestand aus einer Gruppe von Rehabilitanden, die das ambulante Programm durchliefen (n = 110), sowie einer Kontrollgruppe, die vor Einführung des neuen Programms ausschließlich klinisch in denselben acht Zentren rehabilitiert worden war (n = 240). Diese beiden Gruppen wurden miteinander verglichen, um festzustellen, ob die ambulante Rehabilitation ein guter Ersatz für eine vollständig klinische Rehabilitation sein könnte. Anfang Januar wurden die ersten Ergebnisse der Studie veröffentlicht.

    Dabei zeigten sich mehrere interessante Erkenntnisse:
  • Es zeigte sich, dass die ambulante geriatrische Rehabilitation nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt gut durchführbar ist.
  • Bei Abschluss erwies sie sich als ebenso wirksam wie ein vollständig klinischer Verlauf hinsichtlich der Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten.
  • Es scheint, dass der ambulante Rehabilitationsverlauf im Vergleich zu einem vollständig klinischen Rehabilitationsverlauf etwas kostengünstiger ist: Die Kosten des Programms „Thuis als het kan" lagen im Durchschnitt 713 € niedriger pro Rehabilitand als die Kosten der regulären klinischen Rehabilitation.

    Patienten, Familien und Pflegekräfte reagierten überwiegend positiv. Es wurde daher geschlossen, dass das ambulante Programm nach einem verkürzten klinischen Aufenthalt einen vollwertigen Ersatz für das gesamte klinische Programm darstellt. Das Programm habe zudem das Potenzial zur Weiterentwicklung, so die Forscher. Derzeit sind eine wissenschaftliche Publikation, ein Leitfaden, ein Flussdiagramm sowie einige Faktenblätter verfügbar (Prins, J. Clin. Med. 2023, UNO Amsterdam | Thuis als het kan).
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