
Anderen zu helfen ist nicht nur angenehm für einen anderen, sondern auch für Sie selbst. Soziale Vulnerabilität kann verhindert werde, indem Sie beispielsweise Ihren bestehenden sozialen Kontakten Aufmerksamkeit schenken oder anderen helfen, indem Sie ehrenamtlich tätig werden. Neue Forschung zeigt, dass das Helfen anderer dazu beitragen kann, Ihr Gehirn im späteren Leben gesund zu halten. Sowohl formelle ehrenamtliche Tätigkeit als auch informelle Hilfe, beispielsweise für Nachbarn, Familienmitglieder oder Nahestehende, erwiesen sich als gleichermaßen wirksam. Soziale Interaktion wirkt natürlich in beide Richtungen: Die Person, die Hilfe erhält, profitiert von der Aufmerksamkeit und Unterstützung, aber auch die helfende Person kann Zufriedenheit aus der sozialen Interaktion ziehen. Diese Untersuchung konzentriert sich jedoch auf die Person, die Hilfe leistet.
Forscher der Universität Texas und Boston analysierten Daten einer Langzeitstudie, der U.S. Health and Retirement Study, die zwischen 1998 und 2020 Daten von 31.303 Erwachsenen (ab 50 Jahren und älter, das Durchschnittsalter lag zwischen 60 und 70 Jahren) erhob. Sie untersuchten, wie häufig diese Personen anderen außerhalb ihres eigenen Haushalts halfen, und verglichen diese Daten mit Veränderungen ihres Gedächtnisses und Denkvermögens. Sie führten eine komplexe Assoziationsanalyse durch, und daraus ergab sich, dass Personen, die häufig anderen halfen, auch später im Leben ein gutes Gedächtnis und Denkvermögen hatten. Auch der kognitive Abbau durch das Älterwerden schien in der Gruppe, die anderen im Laufe ihres Lebens half, langsamer zu verlaufen. Dieser Unterschied erwies sich als groß, als die Daten mit einer Gruppe verglichen wurden, die weniger sozial aktiv war. Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass das Helfen anderer dazu führt, dass Menschen kognitiv engagiert bleiben, sich mit anderen Menschen verbunden fühlen und Sinn und Bedeutung erfahren, indem sie anderen beistehen.
Die Untersuchung zeigt auch, dass die positiven Effekte des Helfens anderer aufrechterhalten werden müssen, denn sobald Menschen aufhörten, anderen zu helfen, verlief ihr kognitiver Abbau durch das Älterwerden wie bei der Gruppe, die nie geholfen hatte. Es scheint also, dass Sie Ihr soziales Verhalten aufrechterhalten und weiterhin anderen helfen müssen, um im späteren Leben davon zu profitieren.
Es stellte sich auch heraus, dass es keinen Unterschied machte, welche Form der Hilfe geleistet wurde, das heißt: organisierte ehrenamtliche Tätigkeit oder informelle Hilfe, beide Formen der Hilfe waren gleichermaßen wirksam für den Erhalt der Kognition der helfenden Person. Ein moderates Maß an Hilfe (Personen, die zwei bis vier Stunden pro Woche anderen halfen) erwies sich als am konsistentesten vorteilhaft für die Kognition der helfenden Person. Andererseits wirkten eine zu hohe Belastung von pflegenden Angehörigen und Stress wiederum kontraproduktiv. Kurz gesagt war das Helfen anderer am wirksamsten, um im späteren Leben kognitiv gesund zu bleiben, wenn es kontinuierlich, in moderatem Umfang und nicht stressig oder überwältigend für die helfende Person war.
Diese Untersuchung zeigt noch nicht, dass mehr soziale Interaktionen und das Helfen anderer auch direkt zu einem besseren Gedächtnis oder einer besseren Gehirnfunktion führen, aber sie zeigt, dass Menschen, die ihr ganzes Leben lang sozial aktiv sind, im späteren Leben noch über eine gewisse kognitive Reserve verfügen.
Es ist daher nicht ohne Grund, dass die WHO das Fehlen sozialer Interaktionen als einen der beeinflussbaren Risikofaktoren kennzeichnet, die das Risiko erhöhen können, im späteren Leben eine Demenz zu entwickeln (Livingston Lancet 2024).